Ernährung bei Leishmaniose – Tipps für Hundehalter

Ernährung bei Leishmaniose – Tipps für Hundehalter

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Bild: Bianca Kreuser / nature-pets

 

Die richtige Ernährung bei Leishmaniose lässt immer wieder unsere Telefonleitungen glühen. Kein leichtes Thema und viele betroffene Hundehalter haben einfach Angst davor, etwas falsch zu machen. Dann kommen Probleme wie Abmagerung und das Ablehnen des bisherigen Futters dazu, was natürlich die Verunsicherung noch mehr steigen lässt.

Grundsätzliches für die Ernährung bei Leishmaniose

Der Hund ist infiziert und möglicherweise ist auch die Leishmaniose aktiv. Häufig leiden diese Hunde an schlechtem Appetit. Dazu kommt, dass sie auch häufig schlechte Futterverwerter sind, was die gute Fütterung natürlich noch erschwert.

 

Was ich vorab wissen sollte:

Bevor wir uns mit der Ernährung bei Leishmaniose im speziellen befassen, ein paar kleine Grundlagen zum Thema Verdauung und Nahrungsaufnahme beim Hund –  hier gibt es ein paar wesentliche Unterschiede zu uns Menschen. Die wichtigsten kurz zusammen gefasst:

  1. Der Hund ist ein Schlingfresser. Die Zähne dienen lediglich dem Zerkleinern der Nahrung, so dass diese schnell abgeschluckt werden kann. Das ist der Urinstinkt: „Was ich habe, hab´ ich und das kann mir keiner mehr nehmen!“
  2. Der Hund hat keine Mahlzähne, um pflanzliche Nahrung fein zu zerkleinern.
  3. Der Speichel vom Hund enthält keinerlei Verdauungsenzyme. Der Speichel hat nur die Funktion das Abschlucken zu erleichtern
  4. Der Magen ist im Verhältnis zu Pflanzen und Allesfressern relativ klein und verfügt über einen starken Säureanteil (um z.B. auch Knochen verdauen zu können)
  5. Aufgabe des Magen ist die Zerkleinerung der Nahrung zu einem Brei  – die Nährstoffaufnahme erfolgt erst – auch hier im Unterschied zum Pflanzenfresser oder Menschen – im Darm.
  6. Auch ein großer Unterschied zum Menschen ist die kürzere Verweildauer der Nahrung im Verdauungssystem. Hier streiten sich die Wissenschaftler um den genauen Zeitraum, die Zeit, die für die Verdauung aufgewendet wird liegt aber zwischen 8-16 Stunden.
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    Foto: Lotte von Doggiepack mit Rehrippen

Was wichtig für die Ernährung bei Leishmaniose ist

  • Nährstoffreiche & leicht verdauliche Nahrung fördert den Genesungsprozess
  • Frische Nahrung enthält mehr gut absorbierbare und hochwertigere Vitamine & Nährstoffe
  • Hochwertige Qualität des Futters
  • Nährstoffreduzierte Diäten & Light-Produkte sind kontraproduktiv
  • viel Flüssigkeit
  • Hochwertige tierische Proteine & Fett
  • Der Hund darf nicht durch schwer Verdauliches zusätzlich belastet werden

 

Magere Hunde mit Untergewicht müssen vorrangig zunehmen, damit der Körper Energie bekommt, um sich gegen die Krankheit zur Wehr zu setzen. Meist sind ausgerechnet diese Patienten sehr schlechte Fresser. Vorrang hat hier immer, dass der Hund überhaupt etwas frisst – im schlimmsten Fall egal was.

 

Warum eigentlich purinarme Ernährung bei Leishmaniose?

Leishmanien bilden im Gegensatz zum Hund kein körpereigenes Purin. Sie benötigen Hypoxanthin, ein Stoffwechselprodukt beim Purinabbau von außen für ihren Proteinstoffwechsel und somit für ihre Fortpflanzung. Das lässt sich auf eine ganz einfache Formel bringen:

Leishmaniose purinarm Formel

 

Nebenwirkung von Medikamenten

Die häufigste Nebenwirkung des Medikaments Allopurinol ist die Bildung von Harnsteinen – genauer gesagt Xanthinsteinen. Allopurinol hemmt das Enzym Xanthinoxidase und das Abbauprodukt Xanthin lagert sich in den Harnwegen an. Zwar ist es wasserlöslich und es muss unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Als Faustregel gilt hier 40-70ml je kg/Körpergewicht.

Nichtsdestotrotz neigen Hunde unter Allopurinolgabe zur Bildung von Harnsteien, die wiederum zu gesundheitlich massiven Problemen führen könne.

Um dem Vorzubeugen, ist eine purinarme Fütterung absolut notwendig.

Der Drahtseilakt

Drahtseilakt

Die Crux ist, dass Purine nicht nur über Nahrung zugeführt werden sondern auch der eigene Körper Purine bldet. D.H. also die Zufuhr von außen sollte möglchst gering sein.

Die nächste Schwierigkeit: Fleisch, vom Hund dringend als Nährstofflieferant benötigt, hat mitunter den höchsten Puringehalt.

 

warning-838655_1280Erste Regeln für die purinarme Ernährung beim Hund

  1. Fleischanteil auf max 30% inkl Fett reduzieren, da Fleisch den höchsten Purinanteil hat.
  2. nur hochwertiges Fleisch aus Weidehaltung verwenden, da dieses reicher an Nährstoffen ist
  3. benötigtes tierisches Protein durch Milchrodukte und gekochtes Ei ersetzen
  4. pflanzliches Kohlehydratanteil erhöhen (auf leichte Verdaulichkeit achten!)
  5. frisches Obst & Gemüse, möglichst unbehandelt und nicht durch Pestizide belastet
  6. Kalziumzufuhr durch Eierschalenpulver oder Calcumcitrat
  7. Kräuter

Die Purinzufuhr durch Nahrung sollte im Idealfall 3mg je kg Körpergewicht nicht überschreiten.Das ist in der Praxis eigentlich nicht machbar, aber als Grenzwert sollte man sich beim purinarmen Hundefutter an 20mg/je 100g orientieren. Alles, was signifikant diesen Wert überschreitet, ist eigentlich für eine echte purinarme Ernährung nicht geeignet.

 

Die Tabuzone in der Ernährung bei Leishmaniose

Alles was einen hohen Puringehalt hat, sollte nicht in den Futternapf kommen. Daher müssen einige Nahrungsmittel müssen für die Ernährung bei Leishmaniose von der Futterliste gestrichen werden:

 

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Vorsicht ist geboten bei allen Fleischmehlen oder auch extrahierten Proteinen (Geflügelprotein o.ä.), da man hier nicht weiß, woraus sie gewonnen wurden. Oft aus Knochen und Knochenmark, was dann wiederum für einen hohen Puringehalt spricht. Ich prsönlich würde auch einen Bogen um Hydrolisate machen, da auch hier Ausgangsmaterial unklar ist.

Fischöle als Fettergänzung sollten eher keine Verwendung finden, da dieses aus Resten und der Haut gewonnen werden. Gerade Lachsöle sind hier absolut kontraproduktiv. Ausnahme ist hier Lebertranöl, welches ausschließlich aus der Leber der Fische gewonnen wird. Aber Achtung – auch dieses enthält Purine.

Getrocknete Kauartikel sollten ebenfalls nicht in den Hundeschlund gelangen, da diese ebenfalls einen hohen Purinanteil haben.

 

Was sich gut für die Ernährung bei Leishmaniose eignet:

Wo Schatten ist, ist glücklicherweise auch immer Licht. Diese Nahrungsmittel sind hervorragend für die Ernährung bei Leishmaniose geeignet:

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Fleischarten, die hier nicht aufgezählt sind wie z.B. Pferd sind wesentlich purinhaltiger und sollten nur in absouten Ausnahmefällen (z.B. bei Allergien) und nur in Absprache mit einem Spezialisten gefüttert werden.

 

Was eignet sich am besten für die Hundefütterung?

 

purinarmes hundefutter dose trockenfutter doggiepack

Grundsätzlich ist frisch füttern die beste ERnährung bei Leishmaniose – egal ob fertige Barf Menüs oder selber kochen. Frische Nahrungsmittel haben den höchsten Anteil an Vitaminen und Nährstoffen – zudem sind sie bei richtiger Zubereitung besser verdaulich. Die Dose ist in der Regel auch relativ leicht verdaulich, da der Inhalt gekocht wurde.

Kochen ist vom Prinzip eine Art der Vorverdauung. Ich ziehe hier gerne mal einen menschlichen Vergleich: Wenn wir Mehl pur essen, ist das nicht nur staubstrocken, es macht auch Bauchschmerzen. Haben Euch Eure Eltern auch immer gesagt, Ihr sollt den Kuchensteig nicht roh naschen? 🙂 Aber als gebackener Kuchen oder  Brot ….hmmmm….lecker. Und genauso verhält es sich für den Hund, dessen Verdauungssystem nicht darauf auslegt ist, viel pflanzliche Nahrung zu verdauen und zu verwerten.

Trockenfutter hat den Nachteil, dass es – auch eingeweicht – viel schwerer verdaulich ist. Nichtsdetotrotz kann es – wenn es gut zusammengesetzt ist – gefüttert werden. Auch Mischfütterung st ohne Probleme möglich. Nur sollte hhier strikt darauf geachtet werden, die Trockenmahlzeiten von den Nass- und Frischfutter-Mahlzeit zu trennen.

Die Sache mit den Zusatzstoffen

Tja…. kein schönes Thema, aber leider notwendig! Künstliche Zusätze werden bei Fertigfutter als ernährungsphysiologische Zusatzstoffe bezeichnet. Diese Umschreibung suggeriert den meisten Hundehaltern: „Das ist etwas Gutes für meinen Hund und wird dem Futter zugesetzt, damit mein Hund mit allem versorgt ist, was er zum Leben braucht.“

Das ist leider ein Irrtum!

Die Bezeichnung „ernährungsphysiologische Zusatzstoffe“ legt lediglich offen, welche Zusätze beigefügt wurden, die Auswirkung auf die Zellen, Geweben und Organe im Körper des Hundes haben – also die Physiologie des Hundes haben. (Was ist Physiolgie – siehe bei Wikipedia).

Die meisten Vitamine (D,E,C) werden zum Konservieren beigefügt. Das dies nicht immer zum Tierwoohl ist, zeigt der aktuelle Rückruf eines großen Hundefutter-Herstellers im Februar 2019 mit Ausweitung im April 2019. Hier wurde zuviel Vitamin D zugesetzt, was zu Todesfällen geführt hat.

Ein Zuviel an Vitaminen – nicht nur Vitamin D – kann zuweilen Spätfolgen verursachen und schwerste gesundheitliche Schäden hervorrufen.

Weitere zusatzstoffe finden ihren Weg ins Futter, weil dieses entweder aus minderwertigen Rohstoffen besteht, die dem Hund keinerlei Nährstoffe liefern oder aber, um das Futter als „Alleinfuttermittel“ bezeichnen zu dürfen. Als Alleinfuttermittel darf nur bezeichnet werden, wenn eine Mahlzeit alles an Nährstoffen enthält, was der Hund zum Leben braucht. EINE einzige Mahlzeit. Bei uns Menschen würde man so etwas als Astronautennahrung bezeichnen.

Wenn ein Hund abwechsungsreich und frisch ernährt wird, ist eine zusätzliche Gabe wie bei uns Menschen in der Regel nicht notwendig. Hunde, die an Leishmaniose erkrankt sind, benötigen allerdings unter Umständen zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe. Dies sollte allerdings anhand eines regelmässigen Blutbildes und Urinanalysen analysiert und mit dem behandelnden Tierarzt und Ernährungsberater besprochen werden. Auch hier gilt: Zuviel kann genauso wie zuwenig kontraproduktiv sein.

warning-838655_1280Merke für die Ernährung bei Leishmaniose

  • purinarme Ernährung verringert die Fortpflanzungsfähigkeit der Leishmanien
  • Proteinarm ist nicht gleich purinarm
  • Trockenfutter hat eine höheren Puringehalt als Frisch- oder Nassfutter
  • Innereien, Haut und Knochen vom Speiseplan streichen
  • Frische Nahrungmittel haben den höchsten Gehalt an natürlichen Nährstoffen
  • künstliche Zusatzstoffe nicht ohne Notwendigkeit zufüttern

Purinarme Komplett BARF Menüs von Doggiepack

Nachdem wir häufig von Betroffenen um ein purinarmes Hundefutter gebeten wurden, haben wir gemeinsam mit Ernährungsberatern und Tierärzten unsere purinarmen Komplett BARF Menüs entwickelt. Und Euer Feedback ist gigantisch! Vielen Dank dafür. Insbesondere Hunde mit schlechtem Appetit verwandeln sich in kleine Fressmaschinen und legen an Gewicht wieder zu. Erfahrungsberichte von Uli mit Tim und Bianca mit Dora findet Ihr hier im Blog.

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Warm und gegart füttern

Das Kochen und Garen ist sozusagen eine Vorverdauung. Viele Dinge der Natur können unsere Hunde nicht verdauen, wenn diese nicht durch einen voran gestellten Prozess „aufgeschlossen“ werden. Bestes Beispiel ist Gereide wie z.B. Reis oder Hirse. Ungekocht absolut unverdaulich – nicht nur für den Hund.

In unserem frischen Hundefutter werden alle Gemüse- und Kohlenhydratbestandteile gegart. Nur das Fleisch wird fein gewolft, aber roh hinzugfügt, um möglichst viele Vitamine der frischen Nahrung zu erhalten. Für Hunde mit empfindlichen Mägen und starken Verdauungsproblemen sind die Mahlzeiten gegart aber besser bekömmlich. aber auch hier haben wir mitgedacht:

Die Würste können im Darm unkompliziert im Topf gedünstet werden können.So funktionierts:

  • Wasser im Topf oder Wasserkocher aufkochen
  • Wurst geschlossen hineingeben und hitzezufuhr abschalten
  • ca. 20 Minuten ziehen lassen
  • herausnehmen und ggf. abkühlen lassen
  • am besten mit der Schere den Clip abschneiden und die benötigte Futtermenge aus dem Darm drücken
  • fertig

Der Inhalt sollte am besten handwarm also auf Körpertemperatur verfüttert werden. Der Magenpatient wird es danken. Zudem enthalten die verschiedenen Sorten Kräuter, die auf eine Magen-Darm-Problematik abgestimmt sind wie z.B. Fenchelsamen, Kümmel und Oregano, die  beruhigend auf den Magen- Darm-Bereich wirken.

Buchempfehlung

Zu guter Letzt möchten wir allen betroffenen Hundehaltern noch den Ratgeber „Leishmansiose erkennen, verstehen, behandeln“ von Angelika Henning , einer führenden Experten auf dem Gebiet – ans Herz legen. Die Autorin lebt in Spanien, wo die Leishmaniose endemisch ist. Durch ihre Tierschutzarbeit entstand 2012 die Zusammenarbeit mit spanischen Tierkliniken. Seit Jahren unterstützt und berät sie diverse Tierschutzvereine und deren Pflege- und Adoptionsfamilien und andere Betroffene bei der Diagnose und Therapie der caninen Leishmaniose und hält in Zusammenarbeit mit Tierärzten und Tierschutzvereinen in Spanien Informationsveranstaltungen in deutscher Sprache ab. Auf ihrem Blog veröffentlicht sie regelmässig aktuelle Informationen rund um das Thema Hund mit Leishmaniose.

 

doggiepack_olivia_tierheilpraktiker_hunde_tippsEure Olivia mit Lotte

Tierheilpraktikerin und Gründerin der Doggiepack Hundefutter Manufaktur

Hier geht es zum Hundefutter – Shop von Doggiepack www.doggiepack-hundefutter.de

Mehr über das Thema:

Leishmaniose – Eine Krankheit auf dem Vormarsch

Mehr über Purine und ihre Aufgaben im Körper erfahrt ihr in unserem Blogbeitrag Purinarme Ernährung: Hype oder moderne Fütterungsmethode?

Literaturnachweis:

Angelika Henning:

Leishmaniose beim Hund: Erkennen, Verstehen, Behandeln, CreateSpace Independent Publishing Platform, 2015

Niemand: Praktikum der Hundeklinik, Verlag Enke, 11. Auflage, 2011

Enzyklopädie der Heilpflanzen, Neuauflage 1994, Neuer Kaiser Verlag

Jürgen Zentek, Hunde richtig füttern, 3. aktualisierte und erweiterte Auflage, 2012

Eugen Ulmer GmbH & Co.

Gabriele Behling, Frisches Futter für ein langes Hundeleben, 2. Auflage 2012, Kynos

Verlag DR. Dieter Fleig GmbH

Woschnagg, Exel: Mein Befund, 2. Auflage 2001, Wirtschaftsverlag Ueberreuther

Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 258. Auflage, 1997, Verlag de Gruyter

Internetseiten:

  • parasitosen.de; Dr. Naucke, www.leishmaniose.de
  • wikipedia.de
  • flexikon.doccheck.com
  • gichtinfo.de
  • gesundheit.de
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