Gesund füttern – aber bitte ohne Stress! Teil 1

Hunde gesund füttern – der Traum vieler Hundebesitzer – ganz ohne Stress, Angst und schlechtes Gewissen.

Mittlerweile ist diese Frage ja zu einem Reizthema geworden. Freundschaften zerbrechen daran und auf den Hundewiesen, in Hundeschulen, im Internet und bei jeder anderen Gelegenheit wird heftig diskutiert und gestritten. Und manchmal brechen sogar regelrechte Religionskriege um die Hundefütterung aus: Trockenfutter, Nassfutter, BARF, Prey Raw, Clean Feeding, Fertigbarf, Rohfleisch,kochen, nicht kochen, Bio oder nicht Bio, getreidefrei, ohne Kohlenhydrate oder doch besser mit? Dampfen, garen, backen, stampfen, pürieren ……. was ist denn eigentlich wirklich gut für meinen Hund? Und wie macht man es denn nun richtig? Und – was ist überhaupt gesund?

Wir wollen das ganze Thema ein bisschen „entstressen“ und fangen heute mit Teil 1 der Reihe an:

Gesund füttern – eine Zerreißprobe?

Die Diskussionen sind sicherlich dann und wann eine Zerreißprobe für zwischenmenschliche Beziehungen. Wie andere Meinnungsverschiedenheiten das auch sein können. Es gibt viele kontrovers diskutierte Punkte, wie man Hunde gesund füttern kann/soll – viele Standpunkte und verschiedene Ernährungsweisen. Und immer häufiger trifft man auf dogmatische Vertreter, die ihre Ernährungsweise als die einzig Richtige betrachten. Und auf der anderen Seite sind die verunsicherten Hundebesitzer anzutreffen, die sich im Dschungel der Hunde-Ernährung gar nicht mehr zurecht finden und immer von der Angst verfolgt werden, etwas falsch zu machen.

Bitte durchatmen!

Unbestreitbar ist, dass sich jeder, der mitdiskutiert sicher mit dem Thema “ Gesund füttern “ intensiv auseinander gesetzt hat. Aber jeder entwickelt auch seine eigenen Sichtweisen und macht vor allem auch eigene Erfahrungen. Und natürlich je größer die Masse der positiven Erfahrungen, desto „rechter“ habe ich. Aber ist das wirklich so?

Wenn wir innerlich mal ein paar Schritte zurücktreten und einmal den Vergleich mit unserer Ernährungweise wagen, werden viele Streitpunkte und Unsicherheiten an Bedeutung verlieren.

Menschliche Ernährung vs. Hundeernährung

Betrachten wir mal als erstes, was wir über unsere Ernährung wissen: Jedes Kind lernt heute schon in der Grundschule, dass die beste Ernährung frisches Obst, Gemüse und frische Lebensmittel enthält und dass Convience-Produkte also Fertignahrung aus der Dose, Tüte, von der Dönerbude, der Pizzeria oder dem goldenen M nicht zur gesunden Ernährung gehört. Cornflakes und Frühstückscerealien sind meistens Zuckerbomben, Müsli dagegen gesund und voller Energie.

Und jetzt zieht einfach mal den Rückschluß auf die Hundeernährung! Und stellt Euch die Frage, ob wirklich Eurer Meinung nach eine Sorte Futter für ein ganzes Hundeleben gut sein kann. Ich vermeide hier ganz bewusst den Begriff „ausreichend“, denn überleben kann der Hund damit. Aber uns geht es ja heutzutage nicht nur um das blanke Überleben. Wir möchten fitte, vitale und gesunde Hunde. Und wir wollen das Beste für sie.

Gesund füttern – Was müssen wir wissen?

Keine Sorge, denn eigentlich ist es nicht viel. Hund und Mensch – wir sind beides Säugetiere und bei uns funktioniert vieles ähnlich. Wichtig für Hundehalter ist das Wissen um die Unterschiede!

  1. Der Hund ist hauptsächlich Fleischfresser, wobei er auch Aas als köstliche Leckerei sieht – und auch gut verträgt!
  2. Aber er hat im Laufe der Domestizierung auch die Fähigkeit erworben, Stärke zu verdauen.
    Anm. Zu diesem Thema gab es in den letzten Jahren einige Studien, die veröffentlicht wurden. Die Forschung ist hierzu ischerlich noch nicht abgeschlossen. Es gibt aber Hinweise, dass die Fähigkeit je nach Rasse unterschiedlich ausgeprägt ist. Weitere Infos zu diesem Thema findet Ihr in den Literaturhinweisen am Ende des Artikels
  3. Der Hund verdaut schneller und ein bisschen anders als der Mensch:

Hund vs Mensch

Was hat die Verdauung mit dem Hundefutter zu tun?

Eine ganze Menge! Hieraus können wir nämlich schon erkennen, was wir uns sparen können: Zum Beispiel Trockenfutter in münzgroßen Stücken, die zum Kauen anregen sollen. Der Hund kaut nicht! Er reißt, er nagt, er zieht und zerrt. Er macht klein mit dem Ziel, abzuschlucken. Das Kauen als solches oder besser gesagt, was wir Menschen klassisch darunter verstehen, ist dem Hund fremd! Es macht biologisch gesehen keinen Sinn für ihn zu kauen. Er schlingt instinktiv die Nahrung herunter, um sie nicht mit anderen teilen zu müssen.

Aber die Unterschiede im Verdauungssystem verraten uns noch mehr, was gut für unsere Hunde ist.

Was uns der Hundemagen verrät

Das System ist auf eine kurze Verweildauer ausgelegt und in erster Linie dazu da, den Nahrungsbrei in den Dünndarm weiterzuleiten, wo der Großteil der Nährstoffe verarbeitet und vom Körper aufgenommen wird. Dass die Nahrung nicht zu lange im Magen verweilen sollte, liegt an der hohen Säurekonzentration, die natürlich nicht nur Keime abtötet und zerkleinert sondern auch Vitamine und andere Nährstoffe zerstören kann.

Kurze Verweildauer im Magen = Erhalt von Vitaminen und anderen Nährstoffen

Trockenfutter verweilt logischerweise länger im Magen als Nass- oder Frischfutter. Inwieweit die längere Verweildauer welche Nährstoffe zerstört oder ob das der Grund dafür sein könnte, dass so unsagbar viele Vitamine (ernährungsphysiologische Zusatzstoffe) vielen Futtersorten zugesetzt wird, kann ich Euch nicht sagen. Allerdings haben diese Zusatzstoffe auch meist eine konservierende Wirkung. Und öffentlich zugängliche Studien darüber habe ich auch nicht gefunden. Wäre ja mal ein interessantes Thema für eine Doktorarbeit, oder? 🙂

Aber zurück zum Thema Magen: Nass- und Frischfutter sollten aufgrund der schnelleren Verdaulichkeit nicht gemeinsam mit Trockenfutter in einer Mahlzeit gefüttert werden.

Muss Trockenfutter eingeweicht werden?

Das wirft natürlich auch die Frage nach eingeweichtem Trockenfutter auf: wie ist dieses zu bewerten? Ich kann hier auch nur auf persönliche Erfahrungen in meiner Tierheilpraxis zurückgreifen, da es auch hierzu noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu geben scheint. Bei meinen Patienten wurde Trockenfutter – egal ob eingeweicht oder nicht – in den meisten Fällen länger verdaut als frisches oder Nassfutter. Das kann natürlich verschiedene Ursachen haben: Zu einem der individuelle Stoffwechsel. Jeder Hund is(s)t anders. Und auf der anderen Seite muss man die Zusammensetzung des Futters berücksichtigen, dass je nach Hersteller unterschiedlich ist. Wenn Ihr beide Komponenten zusammen betrachtet, werdet Ihr auch ganz schnell feststellen, dass man hier keine allgemein gültige Aussage treffen kann.

Es ist empfehlenswert, Trocken- und Nass- bzw. frisches Futter nicht in einer Mahlzeit zu mischen.

Das gilt auch für Verfeinerungen der Mahlzeiten mit Joghurt, gekochtem Gemüse oder ähnlichem. Rohes, geraspeltes Gemüse wie Karotten hingegen benötigt eine etwas längere Verweildauer im Magen, damit es so „breiig“ wird, dass die Verdauungsenzyme es verarbeiten können.

getrocknete Gemüseflocken

Die Zugabe von getrockneten Gemüseflocken ist gerade bei Barfern sehr beliebt, da es viel Zeit in der Küche spart. Meine Meinung hierzu ist zwiespältig. Der Trocknungsprozess entzieht der Nahrung wichtige Vitamine wie eigentich fast jeder Konservierungsprozess. Zudem haben wir auch hier das Problem der unterschiedlichen Verweildauer im Magen. Trockenfutter kann ohne Probleme mit Flocken ergänzt werden bzw. viele Sorten beinhalten diese bereits. Wer Nass oder Barf füttert sollte die Flocken in heißem Wasser oder über Nacht einweichen.

Tipps zum einfachen Aufwerten von Futter und Gesund füttern findet Ihr hier:

In den nächsten Teilen der Reihe “ Gesund füttern „befassen wir uns näher mit der Verdaulichkeit einzelner Nahrungsmittel und dem weiteren Reizthema „Getreide im Hundefutter“, Nahrungsergänzungsmitteln und natürlich mit Lebensmitteln, die für Hunde nicht gut oder gar schädlich sind. Und dann und wann räumen wir auch mit ein paar Mythen rund um die Hundeernährung auf.

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Eure Olivia

Fotos: FrauVela, pixabay.de, Doggiepack

Quellen und Literaturtipps:

Loeffler, K, Gäbel, G.: Anatomie und Physiologie der Haustiere,14. Aufl., 2015, UTB Verlag

Das gesunde Tier: https://www.dasgesundetier.de/magazin/artikel/verdauung-hund

tierklink.de: Anatomie und Funktions des Verdauungstraktes der Haustiere, http://www.tierklinik.de/medizin/erkrankungen-des-verdauungsapparates-bei-hund-und-katze/anatomie-und-funktion-des-verdauungstraktes-der-haustiere

Arendt, Maja, Axelsson Erik, Oct 2014 „Amylase activity is associated with AMY2B copy numbers in dog: implications for dog domestication, diet and diabetes.“  Wiley online library, Volume 45, Issue 5, Pages 716-722

Axelsson, Erik, Universität Uppsala, Genvarianten von Wolf und Hund. In: „Nature“ Januar 2013

van Beek, Looringh F.A., Leegwater, P.A.J., Herrmann, T., Broere,F., Rutten,V.P.M.G., Willemse,T., Van Rhijn,I. 2013 June

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Nielsen, Henrik Bjørn, Techn. Universität Lynqby, Neue Erkenntnisse über die Zusammensetzung der Darmflora  „Nature Biotechnologie“, 7/2014

„Open Science“, November 2016, Jungsteinzeit veränderte auch das Erbgut von Hunden,  Quelle: R.soc.open sci/Mst

Rimbault. M., et. al. Derived variants at six genes explain nearly half of size reduction in dog breeds. Pub Med. gov. Genom Res. 2013 Dec; 23(12):1985-95. doi: 10. 1101/ gr. 157339.113. Epub 2013 Sep 11.

 

 

 

 

 

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