Leishmaniose beim Hund – Eine Krankheit auf dem Vormarsch

Leishmaniose beim Hund war früher als Mittelmeerkrankheit bekannt und nur den Straßenhunden aus südlichen Regionen oder Osteuropa zugeschrieben. Für deutsche Hundebesitzer lange Zeit nicht relevant. Aber das ändert sich gerade rasant.

Reisen mit unseren Vierbeinern quer durch Europa, der Import infizierter Hunde, egal ob privat oder über Tierschutzverbände, oder verseuchte Bluttransfusionen haben der Infektionskrankheit den Weg in heimische Hundekörbchen gebahnt. Das Schlimme daran ist, die Krankheit ist nicht heilbar.

 

Was ist Leishmaniose?

 

Es ist eine von Sandmücken übertragende Infektionskrankheit in verschiedenen Ausprägungen. Über den Stich der Sandmücken gelangen die einzelligen Blut-Parasiten – die Leishmanien – in den Körper, wo sie sich in Gewebszellen des Immunsystems (Fresszellen) einnisten und vermehren. Sobald sich der Parasit in der Zelle vermehrt hat, zerstört er die Zellhülle (Membran), breitet sich im Organismus aus und befällt gesunde Zellen.

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Übertragung des Parasiten und dem Ausbruch der Krankheit, ist sehr unterschiedlich und kann zwischen einem Monat und sieben Jahren betragen. Es gibt allerdings auch Tiere, bei denen die Krankheit gar nicht ausbricht. Diese können die Leishmaniose aber übertragen (siehe Punkt Übertragung).

Symptome der Leishmaniose beim Hund

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Leishmaniose bei einem Hund mit Ulzeration und Pigmentverlust am Nasenspiegel und Konjunktivitis. Foto: Uwe Gille 2008 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leishmaniose-Hund.jpg

 

Obwohl die Leishmanien Zellen des Immunsystem bevorzugen und hauptsächlich Leber, Milz, Knochenmark und Lymphknoten befallen, können nahezu alle Organe befallen und geschädigt werden. Und ebenso vielfältig sind leider auch die Symptome einer Leishmaniose, häufig sehr unspezifisch beginnen. Der Hund leidet an

 

  • Blutarmut,
  • ist teilnahmslos und schläft viel,
  • frisst schlecht und magert ab,
  • hat Schuppenbildung auf der Haut.

Später werden die Veränderungen deutlicher:

  • Ausfransen / Einreißen der Ohrränder
  • Haarausfall
  • Entzündete Hautreizungen
  • Bindehautentzündungen und Entzündung der mittleren Augenhaut (Uvea)
  • Verstärktes Krallenwachstum

 

Es kommt zum Verlust von Protein über Niere, Entzündungen der Nierenkörperchen, krankhafter Lymphknotenschwellung und Zerstörung des Knochenmarks. Meist steht am Ende der Tod durch Nierenversagen. Wird eine Leishmaniose nicht behandelt, liegt die Sterblichkeit bei 90% innerhalb von zwölf Monaten nach Ausbruch der Krankheit.

 

Die Übertragung der Leishmaniose beim Hund

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Sandmücke, Bild: pixabay.de

 

Die Sand- oder auch Schmetterlingsmücke ist im gesamten Mittelmeerraum einschließlich Osteuropa verbreitet. Sie bevorzugen Temperaturen über 10 Grad. Ist es kälter, kommt es nicht zur Vermehrung, Zumindest ist es bisher nicht bekannt. Mit dem Auftreten von Sandmücken ist zu rechnen, wenn drei Nächte in Folge nicht unter 20°C lagen. Die Leishmanien werden nur von Weibchen übertragen, wobei Forscher festgestellt haben, dass infizierte Tiere häufiger stechen als nicht infizierte.

 

Und ganz wichtig zu wissen: Leishmaniose ist eine Zoonose, d.h. die Parasiten können über den Zwischenwirt Sandmücke auch auf Menschen übertragen werden.

 

Aber die Sandmücke hat ihre Reise im Zuge der Klimaerwärmung in nördliche Regionen bereits angetreten und der Kreis der betroffenen Tiere kann und wird sich im Laufe der nächsten Jahre drastisch erweitern. Die ersten Leishmaniose übertragenden Sandmücken wurden schon in einem kleinen Gebiet in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg entdeckt. Darf man Forschern Glauben schenken, werden sich die Insekten in naher Zukunft im Rhein-Main-Gebiet und der Kölner-Bucht ansiedeln.

 

So gibt es schon die ersten Fälle erkrankter deutscher Hunde, die noch nie im südlichen Ausland waren. Eine Entwicklung, die Hundebesitzer aufwecken sollte. Es gibt keine bisher bekannte Therapie, die Leishmaniose heilen kann. Lediglich die Schübe können behandelt werden und es kann u.a. mit der richtigen Ernährung einem erneuten Schub vorgebeugt werden. Die Krankheit wird aber Hund und Halter ein Hundeleben lang begleiten.

Diagnose und Behandlung von Leishmanioseveterinary-1529191_1920

 

Die Diagnose kann nur der Tierarzt stellen, was anhand von einem

  • direkten Erregernachweis aus Lymphflüssigkeit, Knochenmark oder nässenden Hautläsionen erfolgen kann oder
  • dem indirekten Erregernachweis indem die Antikörperkonzentration (Titer) im Blut bestimmt wird. Hierfür gibt es das ELISA oder IFAT- Verfahren.

 

Wie bereits erwähnt, ist eine Therapie, die den Erregern komplett eliminiert leider bisher nicht bekannt. Die Behandlung der Leishmaniose beim Hund erfolgt durch Linderung der Symptome mit verschiedenen Medikamenten. Manchmal über einen langen Zeitraum. Das bekannteste hier ist sicherlich Allopurinol.

 

Wirkungsweise von Allopurinol bei Leishmaniose

 

Allopurinol ist ein Medikament aus der Humanmedizin. Es wird bei Patienten eingesetzt, deren Harnstoffkonzentration im Blut zu hoch ist. So kann es im Humanbereich zur Behandlung von Gicht verabreicht werden. Allopurinol greift in den Umwandlungsprozess von Purin zur Harnsäure ein und kann, im Gegensatz zur Humanbehandlung, dem Hund als Einzelmittel ohne Zweitprodukt gegeben werden. Das Medikament wird vom Tierarzt verschrieben und für die Behandlung am Hund umgewidmet. Der Bezug erfolgt über die Apotheke.

Allopurinol stört aktiv den Proteinstoffwechsel der Erreger. Allopurinol ist der Struktur von Hypoxanthin gleich. Hypoxanthin ist ein Abbauprodukt des Purinstoffwechsel im Körper und wird von den Leishmanien für den eigenen Proteinstoffwechsel benötigt. Die Leishmanien können nicht unterscheiden, welches Produkt – Allopurinol oder Hypoxanthin-  sie vor sich haben. Zwar haben die beiden Moleküle die gleiche Atomanzahl, doch komplett unterschiedliche Eigenschaften. Wird nun Allopurinol in den Proteinstoffwechsel statt des benötigten Hypoxanthins eingebaut, kommt es zur Störung des Stoffwechsels und zu einer Dezimierung der Parasiten. Allerdings kann mit Allopurinol der Erreger nur in Schach gehalten werden, eine Heilung erfolgt nicht, nur eine Linderung und Verringerung der Parasiten.

 

Nebenwirkungen von Allopurinol bei Hunden

 

Die häufigste Nebenwirkung des Medikaments ist die Bildung von Harnsteinen – genauer gesagt Xanthinsteinen. Allopurinol hemmt das Enzym Xanthinoxidase und das Abbauprodukt Xanthin lagert sich in den Harnwegen an. Zwar ist es wasserlöslich und es muss unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Als Faustregel gilt hier 40-70ml je kg/Körpergewicht.

Nichtsdestotrotz neigen Hunde unter Allopurinolgabe zur Bildung von Harnsteien, die wiederum zu gesundheitlich massiven Problemen führen könne.

 

Entscheidung zwischen Pest und Cholerawalking-1681031_1920

Halter von Hunden mit Leishmaniose müssen sich immer wieder zwischen zwei Übeln entscheiden: Die bei Leishmaniose eingesetzten Medikationen haben häufig starke Nebenwirkungen und belasten Leber und Niere stark. Und es kann zur Harnsteinbildung aufgrund der Medikamentengabe kommen.

Aber ein Absetzen der Medikation würde den Leishmanien und damit dem nahen Tod wieder Vorschub geben. Ok, dann ist es keine Frage und Frauchen und Herrchen beißen in den sauren Apfel und geben starke Medikamente.

 

Besonders wichtig ist allerdings, dass das geschwächte und angegriffene Immunsystem der Hunde durch eine gesunde und an die Krankheit angepasste Ernährung unterstützt wird. Auch der Bildung von Harnsteinen kann mit einer purinarmen Ernährung vorgebeugt werden. Warum das so wichtig ist und worauf Ihr achten solltet, erfahrt ihr in unserem nächsten Blogbeitrag. Unser purinarmes Hundefutter findet ihr hier

 

Euer Autoren-Team Olivia & Sabine

 

Mehr lesen: Purinarme Ernährung nicht nur bei Leishmaniose gut

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Die Autoren:

 

portrait-oliviaOlivia Bickerle: geprüfte Tierheilpraktikerin seit 2006 und Gründerin von Doggiepack

 

 

sabine_dyckSabine Dyck: Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen mit dem Spezialgebiet Leishmaniose www.sabine-dyck.com

 

 

 

 

Literaturnachweis:

Angelika Henning, Leishmaniose beim Hund, Erkennen, Verstehen, Behandeln, 1.

Auflage, Februar 2015, Create Space, Amazon

Jürgen Zentek, Hunde richtig füttern, 3. aktualisierte und erweiterte Auflage, 2012

Eugen Ulmer GmbH & Co.

Gabriele Behling, Frisches Futter für ein langes Hundeleben, 2. Auflage 2012, Kynos

Verlag DR. Dieter Fleig GmbH

Woschnagg, Exel: Mein Befund, 2. Auflage 2001, Wirtschaftsverlag Ueberreuther

Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 258. Auflage, 1997, Verlag de Gruyter

 

Internetseiten:

  • leishmanios-Hund.de
  • parasitosen.de; Dr. Naucke, www.leishmaniose.de
  • wikipedia.de
  • flexikon.doccheck.com
  • gichtinfo.de
  • gesundheit.de
  • inselhunde.de
  • uni-hohenheim.de

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