Rüde oder Hündin? Welcher Hund passt zu mir?

Rüde oder Hündin? Welcher Hund passt zu mir?

Rüde oder Hündin? Im Anschaffungsprozess eine große Frage und immer wieder auch ein Streitthema innerhalb der Familie. Im 3. Teil unserer Reihe: „Welcher Hund passt zu mir?“ gibt Hundetrainerin Anna Lange wertvolle Hinweise und Tipps zur Entscheidungsfindung.

Rüde oder Hündin? Mythen rund um das Geschlechterthema

Die Entscheidung ist gefallen: ein Hund wird einziehen. Und alle Beteiligten sind sich auch bereits einig, ob ein Welpe oder ob ein erwachsener Hund adoptiert wird. Sofern man nicht schon einen bestimmten Hund im Auge hat, stellt sich nun die Frage nach dem Geschlecht des künftigen Vierbeiners.

Viel kann man darüber im Internet finden und auch jeder, der mit Hunden Umgang hat, kann seinen Beitrag und seine Erfahrungen beisteuern. Aber um das Thema „Rüde oder Hündin“ ranken sich auch Vorurteile und Mythen: Oft werden Hündinnen als generell anhänglicher und gelehriger, aber auch zickig gegenüber anderen Hunden bezeichnet. Rüden hingegen werden gerne mal als streitlustig, hormongesteuert und eigenständig angesehen.

Nicht alle(s) über einen Kamm scheren

Eine pauschale Aussage ist eigentlich nicht möglich. Wichtig ist: Der Charakter eines Hundes ist sehr individuell und von vielen Faktoren abhängig. Das Geschlecht spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Jeder Hund ist ein Individuum und unabhängig von seinem Geschlecht einzigartig. Es gibt sowohl bei Rüden als auch bei Hündinnen völlig unkomplizierte Exemplare. Aber auch Vertreter beiden Geschlechtes, die auch den gängigen Klischees entsprechen. Es kann nicht pauschal gesagt werden, dass alle Rüden oder alle Hündinnen eine bestimmte Eigenschaft haben. Es ist der Charakter des einzelnen Tieres, der ausschlaggebend dafür sein sollte, ob es zu einem selbst passt, oder eben nicht.

Wo liegt der geschlechtsspezifische Unterschied?

Es gibt einige Tendenzen, auf die man bei der Wahl des Hundes achten kann, die je nach Individuum auch etwas stärker ausgeprägt sein können. Diese durch die natürlichen Instinkte geprägten Verhaltensmuster sind in der Grundanlage bei allen Tieren vorhanden. Je nach Individuum sind sie aber stärker bis kaum spürbar ausgeprägt.

Mensch-Hund-Beziehung
In Bezug auf den Menschen gibt es kaum geschlechtsspezifische Unterschiede. Es gibt sowohl bei den männlichen, als auch bei den weiblichen Exemplaren sehr anhängliche und menschenbezogene Hunde, aber auch Individuen, die lieber etwas eigenständiger unterwegs sind.

Sozialverhalten
Gegenüber Artgenossen sind Rüden meist eher etwas mehr selbstdarstellerisch und imponierend. Von Hündinnen lassen sie sich oft so einiges gefallen. Zwischen zwei Rüden kommt es erfahrungsgemäß häufiger mal zu Auseinandersetzungen. Wobei sich die Rüden, frei nach dem Motto „viel Lärm um Nichts“ meist schlimmer anhören als sie eigentlich sind. Denn es kommt dabei eher selten zu ernsthaften Verletzungen.
Bekommen sich zwei Hündinnen so richtig in die Haare, kann dies eher mal blutig ausgehen. Grund dafür ist, dass viele Hündinnen sich erst dann auf Konfrontation gehen, wenn es ihnen auch wirklich wichtig ist, ihre Interessen ernsthaft durchzusetzen. Die Verträglichkeit mit anderen Hunden (und auch Menschen) ist aber in der Gesamtheit nicht Geschlecht abhängig, Hier sind Sozialisierung und individuelle Charaktereigenschaften ausschlaggebend.

Hunde, die von Anfang an „gute“ Kontakte mit Artgenossen hatten (Fokus auf Qualität, nicht auf die Quantität!), haben meist ein besseres Sozialverhalten, als Hunde, die wenig oder schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden hatten – unabhängig vom Geschlecht der anderen Tiere. Hunde, die generell Stress mit Artgenossen haben, unterscheiden nicht nach Geschlecht, Alter oder anderen Faktoren ihres Gegenübers. Die allseits berühmte Frage auf vielen Hundewiesen: „Rüde oder Hündin“ erübrigt sich und sollte eher in die Frage: „Möchte er/sie Kontakt zu Artgenossen haben oder nicht?“ umgewandelt und auch entsprechend akzeptiert werden.

Die lieben Hormone machen den Unterschied

Bei nicht kastrierten Hunden gibt es natürlich allein durch den Hormonhaushalt einige Unterschiede, die man bei der Wahl des Hundes eventuell mit berücksichtigen sollte. Mit intakten Rüden kann es häufiger zu Stress kommen, wenn eine läufige Hündin in der Nähe ist. Sie sind dann teilweise so im Hormonrausch, dass sie für den Menschen nur noch schwer erreichbar sind. Es gibt auch Rüden, die in ihrem Rausch das Futter verweigern und 7 oder stundenlang nach ihrer Angebeteten heulen und jaulen, was mitunter sehr anstrengend werden kann.
Wenn eine Hündin einzieht sollte man sich im Klaren darüber sein, dass sie meist  zweimal im Jahr läufig wird. In dieser ca. 2-3 Wochen andauernden Phase ist erhöhte Vorsicht geboten! In den meisten Gegenden sollte der Freilauf vermieden werden, um ungewollten Nachwuchs zu vermeiden. Zum Thema Kastration gibt es einiges an Fachliteratur, um sich zu informieren bzw. sollte der Tierarzt des Vertrauens zu Rate gezogen werden, um eine individuelle Entscheidung treffen zu können.

Fazit: Individueller Charakter wichtiger als das Geschlecht

Sofern es keine wichtigen äußeren Faktoren gibt (z.B. keine Möglichkeit die läufige Hündin sicher von einem intakten Rüden zu trennen, etc.), sollte das Geschlecht bei der Wahl des Hundes kein ausschlaggebendes Kriterium sein. Vielmehr ist der individuelle Charakter entscheidend, ob der Hund zu einem selbst passt oder nicht!

Ein weiterer Einflussfaktor auf diese Entscheidung kann auch die Rasse bzw. die Mischung des Hundes sein. Auf diese Thema werde ich bei meinem nächsten Beitrag eingehen und euch mit den wichtigsten Infos darüber versorgen.

Euch bis dahin eine schöne, sonnige Zeit und viel Spaß beim Lesen!

Eure Anna

www.hundeschule-lange.de

 

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