Welpen großziehen oder erwachsenen Hund adoptieren?

Teil 2: Welcher Hund passt zu mir?

Welpe oder erwachsener Hund ?

Im ersten Teil habe ich euch ja bereits über die allgemeinen Überlegungen informiert, die vor der Anschaffung eines Hundes gemacht werden sollten. Wenn all diese Fragen, auch längerfristig mit „Ja“ beantwortet werden können, kann man sich nun mit der näheren Auswahl des vierbeinigen Gefährten beschäftigen.

Eine sehr grundlegende Entscheidung ist, ob es ein Welpe sein soll, der neu in die Familie einzieht, oder ein bereits älterer Hund aus „zweiter Hand“.

 

Der Welpe

Welpen sind einfach niedlich!

Viele Familien wünschen sich einen Welpen, wenn sie mit dem Gedanken spielen einen Vierbeiner in ihr Leben zu lassen. Die Kleinen sind einfach zu süß, man kann sie wunderbar an die eigene Lebenssituation gewöhnen und es ist richtig spannend, ein solches Lebewesen bei der individuellen Entwicklung zu begleiten.

Tatsächlich ist es so, dass Welpen sich gut an viele Dinge des Alltags gewöhnen. Seien es die kleinen Kinder, die mit im Haushalt leben, weitere Haustiere, wie Katzen, Pferde oder Kleintiere oder ein bestimmtes Arbeitsumfeld, in dem der Hund den Tag verbringt – was der Welpe von klein auf gezeigt bekommt, macht ihm später meist kaum noch Probleme.

Welpen machen in den ersten Monaten viel Arbeit!

Andererseits zieht mit einem Welpen ein Baby ein. Viele Menschen unterschätzen wie viel Arbeit so ein Welpe doch macht. Er muss noch so vieles lernen, stubenrein werden und auch einfach die Zeit und die Ruhe um sich herum bekommen, um sich zu einem entspannten Hund zu entwickeln. Schlaflose Nächte, weil der Kleine nachts raus muss und anfangs sicher nicht alleine schlafen möchte, müssen genauso eingeplant werden wie sämtliche kreative Ideen, die es dem Welpen ermöglichen, seine neue Welt zu erkunden. Dies tun Welpen mit Vorliebe auch mit den Zähnen – zerkratzte Hände und Beine, angeknabberte Möbelstücke und zerfetzte Schuhe sind nur eine kleine Auswahl aus dem Sammelsurium klassischer Bilder von Haushalten mit Welpen.

Kein Welpe weiß von Geburt an was richtig und was falsch ist!

Wenn man den jungen Hund in die richtige Richtung lenkt, werden sich diese Probleme mit der Zeit auch wieder geben. Man darf aber nie vergessen, dass jeder Hund erst einmal lernen muss, was in unserer, für Menschen gemachten Welt richtig und was falsch ist. Kein Welpe zerstört Sachen aus Boshaftigkeit oder beißt Menschen, weil er verhaltensgestört ist. Er testet einfach alles aus und braucht eine verständliche Antwort von seinem Menschen, um das „richtig“ und „falsch“ lernen zu können. Das ist anstrengend und wirklich mühsam.  Und auch Ihr werdet fluchen, wenn der nächste Lieblingsschuh zerkaut im Flur liegt. Aber die Momente der Freude mit der kleinen Fellnase wiegen das alles wieder auf. Und das Ergebnis wird später dafür umso schöner sein!

Wo bekomme ich einen Welpen?

Kauft auf keinen Fall einen Welpen aus dem Kofferraum oder einfach nur per Kleinanzeige. Diese, gerne auch mal „Wühltischwelpen“ genannt, kommen unter katastrophalen Bedingungen zur Welt und die Hündinnen werden als Gebärmaschinen unter schrecklichen Bedingungen gehalten. Jeder Kauf eines solchen Hundes – auch die Mitleidskäufe – unterstützen diese Händler in ihrem Tun. Helfen tut hier nur das „Nicht-Kaufen“. Alles andere lässt diese tierverachtende Welpenproduktion florieren.

Welpen kauft man am besten beim Züchter oder über eine seriöse Tierschutzorganisation, wo man sich im Vorfeld von den Aufzuchtbedingungen vor Ort überzeugen sollte. Schaut euch auch die Mutter an und lasst keine Ausrede gelten.

Der erwachsene Hund

Wer nicht unbedingt Wert darauf legt sich einen Hund im Welpenalter (8.- ca. 16. Woche) zuzulegen, hat die Möglichkeit, einen Junghund, erwachsenen Hund oder vielleicht Senior aus zweiter Hand zu adoptieren. Das weit verbreitete Vorurteil, dass alle Hunde aus dem Tierschutz verhaltensgestört seien, ist absolut falsch!

Viele Hunde aus dem Tierheim sind absolut treue und liebevolle Begleiter!

Es gibt in den Tierheimen die liebsten und zuverlässigsten Familienhunde, die, wenn sie in ihrem Umfeld richtig aufgenommen und behandelt werden, deutlich weniger Arbeit und Ärger machen als so manch Hund, der von klein auf bei seinen Menschen ist.

Natürlich haben diese Hunde im Leben oft deutlich mehr und nicht selten schlechte Erfahrungen mit Menschen, anderen Hunden etc. gemacht. Aber gerade diese Erfahrungen führen auch oft dazu, dass diese Hunde viel souveräner, achtsamer und dankbarer durch´s Leben an der Seite ihrer Menschen gehen.

Ein erwachsener Hund kann Nerven schonen

Wer also nicht die Möglichkeit oder Lust hat, einen Welpen großzuziehen, der in den ersten Lebensmonaten sehr viel Aufmerksamkeit braucht, nicht lange alleine bleiben und auch noch keine allzu langen Spaziergänge machen kann, sollte sich auf jeden Fall im örtlichen Tierheim, bei verschiedenen Tierschutzorganisationen oder auch im privaten Umfeld nach einem erwachsenen Hund umsehen, der zur jeweiligen Situation passt. Diese Hunde können oft langfristig vom Charakter her viel besser eingeschätzt werden, als das Überraschungspaket Welpe.

Fachkundige Hilfe und Bauchgefühl sollten bei der Auswahl mit einbezogen werden!

Wer sich nicht sicher ist, ob und welcher Hund aus zweiter Hand zu einem passt, solche sich fachkundigen Rat suchen und sich somit die Suche nach dem passenden Gefährten vereinfachen. Auch hier sollte immer beachtet werden, dass Tierschutzvereine und Pflegestellen die Hunde nur anhand von Momentaufnahmen beurteilen können. Kommt der Hund in ein anderes Umfeld, zu Menschen die anders mit ihm umgehen, wird er sich, sobald er sich eingelebt hat, möglicherweise auch anders verhalten. Ist man sich nicht sicher ob es passt, oder hat man sehr wichtige Kriterien an das Zusammenleben mit dem Hund, macht es durchaus Sinn, den Hund öfter zu besuchen und vor der Übernahme Zeit mit ihm zu verbringen, um auch sein wahres Wesen kennenlernen zu können.

Wichtig ist aber auch, dass Ihr Eure Vorstellung und Wünsche an den künftigen Gefährten klar, deutlich und vollständig formuliert. Die Vermittlungen haben immer Interesse, die Vierbeiner langfristig zu vermitteln, weshalb man auch versuchen wird, einen Hund zu empfehlen, der zu Euch und Euren Lebensumständen passt.

Das Bauchgefühl muss stimmen

Ihr seht schon, es gibt bei der Wahl des richtigen Hundes vieles zu beachten. Das wichtigste ist aber, dass Ihr immer auf Euer Bauchgefühl hört und Euch nicht allzu sehr von der Meinung anderer beeinflussen lasst. Habt Ihr das Gefühl, dass dieser eine Hund wunderbar in Euer Leben passt, dann solltet Ihr auch darauf hören!

 

In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Spaß beim Grübeln und Fühlen – in 2 Wochen geht es dann weiter mit dem Thema: Hündin oder Rüde.

 

Bis dahin eine schöne Zeit!

Eure Anna

www.hundeschule-lange.de

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